Marcel Dadi war damals, als ich Gitarre spielen lernte,
eines meiner großen Vorbilder, und es hat mich sehr traurig
gemacht, als ich erfuhr, dass er 1996 bei einem Flugzeugabsturz
in den USA ums Leben gekommen ist. Ich kann mich noch gut daran
erinnern, wie ich mich an den sauschweren Stücken richtig
festgebissen habe. Es fing damit an, daß ich Jürgen Slopianka
und Lydie Auvray bei einem Konzert im Folk-Club in Witten erlebte.
Jürgen betrat die Bühne und erzählte eine unterhaltsame und
nette, aber völlig frei erfundene Geschichte von zwei Gitarristen,
die er mal bei einem Duo erlebt hatte, und von seinem Ehrgeiz,
dieses Duett alleine auf einer Gitarre hinzukriegen.
Und dann spielte er den 'Blue Finger' - natürlich ist es gar
kein Stück für zwei, aber gut gespielt kann man schon den
Eindruck haben, dass da zwei Musiker am Werk sind. Natürlich
klärte Jürgen Slopianka später das Publikum darüber auf - es war
einfach nur eine nette Geschichte, um die Leute zu fesseln.
Ich war sofort hin und weg, so wollte ich auch spielen
lernen! Jürgen hatte den 'Blue Finger' jedenfalls auf einer
Platte von Dadi kennengelernt. Der war hierzulande eigentlich
nie richtig bekannt, aber da ich sowieso kurz darauf nach
Frankreich musste, hab ich mich in Marseille mit seinen
Platten eingedeckt.
Und dann hiess es: Üben, üben, üben... Manche der Stücke habe
ich nach einigen Monaten ganz gut spielen können, ein paar
sind mir aber bis heute ein Buch mit sieben Siegeln geblieben.
Ein bisschen vereinfacht wurde das Üben aber dadurch, dass
den Platten von Dadi sehr schön gemachte Hefte mit Tabulaturen
beilagen. Ich war also nicht darauf angewiesen, alles aus den
Aufnahmen herauszuhören.
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